Seminarfahrt Abenteuer Naturwissenschaft"

Flug der Albatros – Zwischen Klaustrophobie, Seekrankheit und wunderschönen Ausblicken

Ja, auch verrückte Wissenschaftler machen mal Urlaub! Glaubt es oder glaubt es nicht! Wobei das ganze offiziell eine Studienfahrt zur Erforschung des Verhaltens von mehreren komprimierten Schichten Zellulose (gemeinhin bekannt als Holz) auf Wasser mit leichtem Salzgehalt bei Bewegungsreibung durch Windantrieb sein sollte... Nur leider war die Antwort darauf schnell gefunden: Holz schwimmt. Somit hatten wir ungeplant *hust* Freizeit und haben diese ausgenutzt, indem wir ein soziales Experiment durchgeführt haben: Was passiert, wenn man eine Horde Menschen verschiedener Altersklassen für eine Woche auf ein Schiff einsperrt? Die unglaublich faszinierenden Ergebnisse werden in diesem Bericht zusammengefasst.

Zunächst einmal starteten wir alle unsere Reise am sechsten August am Lüneburger Hauptbahnhof, um nach Flensburg zu fahren, zumindest war das der Plan. Ein besonders verplanter Schüler, der an dieser Stelle aus Schutzgründen nicht genannt wird, brachte es nämlich fertig zum Bahnhof Lauenburg zu fahren. Um doch noch irgendwie den Anschluss zu erwischen, reiste er unter Gefährdung seines Führerscheins in Rekordzeit zum Hamburger Hauptbahnhof, erwischte da unseren Zug und hat jetzt wohl erstmal keinen Lappen mehr. Dafür wahrscheinlich ein Aufbauseminar und eine Probezeitverlängerung. Außer er hat Glück, was er wahrscheinlich hat. Ob dieser Tausch lohnenswert gewesen wäre, wird wohl auf immer sein Geheimnis bleiben. Wie dem auch sei, wir erreichten Flensburg und stiegen nach einer kleinen Rast in den Bus ein, der uns zu unserem Startpunkt bringen würde: Juelsminde. Nach circa zweieinhalb Stunden Fahrt über die ewige Wiese, die sich Dänemark nennt, waren wir da und bekamen erst einmal alle einen klaustrophobischen Schock: Wir alle hatten uns das Schiff klein vorgestellt, aber wenn vier Personen in einem Zimmer von circa vier Kubikmetern Volumen in Stockbetten schlafen sollen und in eben diesem Zimmer ein Schrank und alle Taschen der vier Bewohner untergebracht werden müssen – DANN wird es eng. Auch aufrecht stehen war teilweise ein Problem und ich bin mir sicher, ich habe mich noch nie so oft an etwas gestoßen wie in diesen sechs Tagen. Nachdem wir nun noch eine zehnminütige Einleitung zu all dem Tauwerk erhielten – im Regen versteht sich, man muss ja abgehärtet werden – bereiteten wir das Ablegen vor, wobei uns eine kreuzende Jacht beinahe bereits im Hafenbecken durch einen Rammangriff versenkt hätte. Und während man nun beim rhythmischen Rattern des Zweitaktmotors auf die See hinausfuhr und dann die Segel setzte, hatte man das erste Mal Zeit zu reflektieren: Wir waren auf einem Topsegelschoner namens Albatros, der keine Duschen besaß, dafür hatten wir unseren Smutje namens Wolle, der noch für einige Leckereien(?) sorgen sollte, den Kapitän, der tatsächlich auch meist nur Käpt'n oder King genannt wurde, unseren ersten Steuermann Michael, der vom Wort „Schichtarbeit" wohl noch nie etwas gehört hatte und im Endeffekt 24/7 auf Deck zu finden war, den zweiten Steurmann Klaus-Dieter, für den das Gleiche galt und unseren „Mr.-über-tausend-PS-Maschinisten" Ingo... Es versprach auf jeden Fall nicht langweilig zu werden. Da dies nun aber keine Kreuzfahrt war – im Gegenteil, von uns wurde erwartet, dass wir das Schiff quasi alleine führen sollten – mussten wir uns adaptieren und arbeiten. Dies geschah in Schichten, sogenannten Wachen. Wache A, B und C wechselten sich in Form von Tag-Schichten (3-stündig) und Nachtschichten (4-stündig) zyklisch ab, sodass jede Wache mindestens einmal jede Schicht hatte. Zudem gab es noch einen Zusatzdienst, den immer jeweils ein Mitglied jeder Wache einen Tag lang zu verüben hatte: Backschaft. Im Endeffekt heißt das Küchendienst: kochen, putzen und immer zuletzt essen.
Nachdem sich nun der erste Tag dem Ende zuneigte, entschieden wir, anzulegen, und zwar in Kolby Käs. Das Anlegemaneuver wurde allerdings zum Nerventest. Wir kamen in einem so ungünstigen Winkel zum Wind und der Kaimauer an, dass wir eine geschlagene Stunde brauchten, bis das Schiff endlich sicher festgemacht war. Dafür entfiel die Nachtwache, somit war es das wert.

Da dieser Hafen zugegebenermaßen ein ziemliches Kaff war, gibt es davon nicht viel zu berichten, außer, dass das Ablegen nur zehn Minuten gedauert hat. Was nun folgte, waren zwei Seetage, an denen jeder seine Wache abhalten musste, man langsam anfing, all die Taue und ihre Funktionen zu erlernen und Spezialitäten der Küche genießen durfte (wie zum Beispiel Labskaus). Zudem wurde dem Kartenspiel gefrönt und dem regulären Schlafrhythmus der Kampf angesagt.

Bis wir dann in Koge ankamen. Eine größere und wirklich sehr schöne Stadt, in der wir endlich mal wieder festem Boden unter den Füßen hatten. Zum Mittag gab es Pizza, soviel zu den Seemansspezialitäten... Interessant war, dass ein weiterer Traditionssegler zeitgleich mit uns angelegt hatte: Eine russische Fregatte, eine Replika der ersten russischen Fregatte überhaupt, wie wir später erfuhren. Denn wir durften diesen Riesen besuchen und erkunden. Ebenso wurde ein Aufstieg ins geschätzt 15 Meter hohe Krähennest angeboten; ein wahrlich majestätischer Blick über den Hafen. Den Rest des Abends verbrachte man damit, seine persönlichen Vorräte im ortsansässigen Supermarkt aufzustocken und sich in Vorbereitung auf weitere zwei Seetage, die uns bereits zu unserem Ziel bringen würden, Travemünde, Germany. Und genau dort kamen wir am Freitagabend auch an, glücklich aber vor allem hungrig, denn man hatte uns beim Mittag mehr oder weniger hungern lassen, damit wir beim Captians Dinner am Abend auch Appetit mitbrachten; ein Plan der restlos aufging. Als Hauptspeise gab es „Exploded Chicken" – im Endeffekt Hühnchencurry mit Reis und allem was man in der Küche findet: Saure Gurken, Käse, Salami, Kokosraspeln, Rote Beete... Einfach alles zusammenmengen und essen, es schmeckt besser als man glaubt, aber vielleicht isst man unter extremen Einfluss von Hunger auch einfach alles. Zum Nachtisch gab es ein mehr oder weniger gutes Unterhaltungsprogramm unsererseits, wahrscheinlich etwas von Ungeduld geprägt, da alle endlich an Land gehen wollten. Und was soll man jetzt noch sagen? Die Nacht wurde zum größten Teil zum Tag gemacht. Am nächsten Tag wurde dann ein letztes Mal Frühstück an Bord gegessen, ein letztes Mal zwängte man sich durch die Kabinentür, denn nun wurde Klarschiff gemacht, zusammengepackt und sich gesammelt, um Abschied zu nehmen vom Schiff, der Crew und all den blauen Flecken, die man sich wohl noch zugezogen hätte. Und als wir dann alle, diesmal wirklich vollständig, am Bahnhof Travemünde standen, konnte man in den Augen eines jeden Teilnehmers dieser Fahrt nur diesen einen Gedanken sehen: ENDLICH DUSCHEN!!!

Kommentar: Natürlich war die Fahrt um einiges umfangreicher, gerade die Seetage waren gefüllt mit lauter kleinen Details: das Betreten von schwedischem Festland, die Sichtung des Schlosses aus Shakespears Hamlet oder das passieren von Kopenhagen bei Nacht. Die Ankerkette, die sich partout nicht aufrollen lassen wollte, gefährliche Klettermanöver in Schiffstakelage und Hafenbecken und die Eisbucket-Wasch-Bade-Challenge... Es gibt so viel, das man hätte niederschreiben können und müssen. Aber dann würde dieser Bericht genauso lang wie die EULAs von irgendwelchen Programmen, und genau wie diese, würde sich das hier kein Schwein durchlesen, sein wir doch mal ehrlich! Falls jemand den Drang nach mehr Anekdoten und Details verspürt, kann derjenige uns einfach ansprechen; wir sind zwar verrückte Wissenschaftler, aber wenn wir unsere Medikamente nehmen, kann man auch normal mit uns reden... meistens.

Jan-Philip B.

 

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Artikel aus den Fächern

First Lego League 2013 – Regionalwettbewerb

Thema der First Lego League war in diesem Jahr: Natures Fury – Naturkatastrophen. Ende August 2013 wurden die entsprechenden Aufgaben von den Organisatoren veröffentlicht.

Unser Team (Bjerke, Andre, Florian. Tim-Niklas, Lukas, Fiete, Fynn, Jan-Philip) bereitete sich acht Wochen lang intensiv auf den Wettbewerb vor. Neben der Konstruktion und Programmierung eines Roboters, der auf einem festgelegten Spielfeld verschiedene Aufgaben zu erledigen hatte, musste im Vorfeld ein Forschungsauftrag zum Thema Naturkatastrophen bearbeitet werden. Wir legten dabei den Schwerpunkt unserer Arbeit auf das Elbehochwasser. Gemeinsam erarbeiteten wir einen Vortrag, der die Ursachen und Gefahren des Elbehochwassers beleuchtete. Zusätzlich entwickelten wir Ideen für ein sensorbasiertes Sicherungssystem bei Deichüberflutungen und Deichunterspülungen. (Link zur Präsentation)

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