Einen der sehr wenigen ersten Plätze im Landkreis Lüneburg in diesem Jahr belegten Zoey Sell (11 Jahre) und Mia Rösler (11 Jahre) im Fachgebiet Arbeitswelt mit ihrem Projekt „Beobachtungen zur Entwicklung von Küken im Hühnerei“. Zusätzlich erhielten sie den Sonderpreis „Qualitätssicherung durch zerstörungsfreie Prüfung“.
„Ich wollte gerne Hühner haben, am liebsten zahme. Über die Jugend-forscht-AG bekam ich die Gelegenheit, selbst Hühner auszubrüten. Ich habe mir genau erklären lassen, wie man Hühnerküken ausbrütet, und habe die Eier während der Brutdauer von 21 Tagen jeden Abend mit einer Schierlampe durchleuchtet und fotografiert“, berichtet Zoey. „Auf diese Weise kann man ins Ei blicken, ohne den darin heranwachsenden Embryo zu schädigen. Insgesamt beobachtete ich 63 Eier. Ich wollte herausfinden, wie sich ein Embryo im Ei entwickelt, bis schließlich ein Küken schlüpft. Außerdem wollten wir (seit den Sommerferien sind wir zu zweit) untersuchen, an welchen Merkmalen man bereits beim Schieren der Eier erkennen kann, wann man ein Ei aus dem Brüter nehmen sollte. Wenn man abgestorbene Eier im Brüter lässt, bewirken die entstehenden Faulgase das Absterben der verbleibenden Eier. Außerdem gingen wir der Frage nach, ob eine KI die Entscheidung, ob ein Ei aus dem Brüter entnommen werden sollte, ebenfalls treffen kann.“
Die Jury lobte vor allem den „spannenden und unterhaltsamen Vortrag“. Außerdem gefiel ihr die strukturierte Arbeitsweise. „Besonders bewundernswert war, wie das Thema des Machine Learnings verstanden, aber auch abstrahiert und sehr verständlich vorgestellt wurde“, ist in der Laudatio zu lesen. Dass die beiden Machine Learning so gut verstehen konnten, ist vor allem Henning Schlage (einem Vater eines unserer Schüler) zu verdanken, der seit dem Schuljahr 24/25 unsere Jugend-forscht-AG tatkräftig und mit viel Engagement unterstützt. Dafür wollen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.
Mit dem Regionalsieg qualifizierten sich die beiden für den Landeswettbewerb, der im April in Einbeck bei Göttingen stattfindet. Sie freuen sich schon sehr auf die Teilnahme und stecken bereits wieder mitten in den Vorbereitungen.
Außerdem erzielten unsere Schüler gleich noch drei Zweitplatzierungen:
Von besonderer regionaler Bedeutung ist das sehr umweltfreundliche und nachhaltige Projekt von Arved Schmidt (18 Jahre), in dem es um „infrastrukturelle Untersuchungen entlang der Bahnstrecke Lüneburg–Bleckede“ mit dem Ziel der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke geht – und zwar unter Berücksichtigung sowohl des Personen- als auch des Güterverkehrs. Arved führte dazu eine Bedarfsanalyse durch, untersuchte (als begeisterter Bahnfan) mit viel Sachverstand vorhandene Strecken und fand sehr kluge Lösungen. Die Jury merkt zu diesem Projekt an, dass es sehr gut geeignet sei, um über den Eisenbahnverein vor Ort an politische Entscheidungsträger herangetragen zu werden. Arved belegte mit seinem Projekt im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften den zweiten Platz.
Unter zwölf weiteren Projekten erzielten Tanya Schulz (18 Jahre) und Thoma Bryndel (19 Jahre) den zweiten Platz im Fachgebiet Biologie. Sie untersuchten den Pilz Pleurotus ostreatus, der in der Lage ist, Kunststoff abzubauen. „Wir wollten wissen, ob der Pilz seine Nährstoffe aus reinem Kunststoff ziehen kann beziehungsweise wie groß der Anteil an zusätzlichem Nährboden sein müsste, um das Überleben des Pilzes zu gewährleisten“, beschreibt Tanya ihr Projekt. „Um das herauszufinden, haben wir zwei Versuche durchgeführt, die zum einen das Wachstum des Pilzes auf einem Polyethylenterephthalat-Nährboden-Gemisch und zum anderen auf UV-bestrahlter Frischhaltefolie aus Polyethylen untersuchten.“ Die Jury lobte vor allem die Vielzahl der Experimente und die hohe intrinsische Motivation der beiden Jungforscher.
Mats Stöver (18 Jahre) führte in seinem Projekt „Mondkrater – Schlüssel zum Sonnensystem“ eine umfangreiche statistische Untersuchung ausgewählter Mondkrater durch, um dadurch Rückschlüsse auf die Entstehung des Sonnensystems ziehen zu können. Im Unterschied zur Erde weist der Mond keine Atmosphäre auf, sodass die Fußabdrücke der ersten Menschen auf dem Mond ebenso wie die Einschläge durch Meteoriten bis heute zu sehen sind. Als Basis dienten ihm die im Internet verfügbaren Aufnahmen der Mondsonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“. Die Jury lobte „die hohe fachliche Kompetenz des Jungforschers sowie seine Aufgeschlossenheit gegenüber Verbesserungsvorschlägen“. Mats belegte den zweiten Platz im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften.
Knut Schwarze (17 Jahre) und Jan Richter (17 Jahre) erzielten mit ihrem sehr ambitionierten Projekt „Bau einer autonomen Search-and-Rescue-Drohne“ den Sonderpreis „Mit Sicherheit die Zukunft gestalten“. „Ziel des Projekts ist es, eine autonome Drohne zu entwickeln, die selbstständig Gebiete absucht und bei der Rettung von Menschen und Tieren helfen soll. Die Drohne muss einfach zu bedienen sein und soll lange Flugzeiten aufweisen. Außerdem muss sie in schwierigen Gebieten suchen können“, umreißt Knut das Projekt. Jan trainierte eine bilderkennende KI, sodass die Drohne Menschen erkennen kann.
Wenn das Myzel der Pilze das Dunkel erhellt – ein Blick in die Welt der Biolumineszenz leuchtender Pilze. Was wie Magie klingt, ist faszinierende Biologie, denn manche Pilze besitzen das Enzym Luciferase, welches ihr Myzel wie eine natürliche Lichtquelle im Dunkeln zum Leuchten bringt. Doch wie intensiv leuchten diese Organismen wirklich und welche Rolle spielt die Temperatur dabei? Diese Frage untersuchte Nicole Suchodolski (18 Jahre) in ihrem Projekt „Leuchtende Spuren der Natur“. Leider konnte sie am Wettbewerb nicht antreten, da sie zeitgleich ein Bewerbungsgespräch hatte – schade, denn auch in diesem vielversprechenden und sehr kreativen Projekt steckten große Faszination und einiges an chemischem Sachverstand.
Ein ebenfalls wunderschönes Projekt war die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Qualität des fertigen Bieres und der Temperatur des Nachgusses. Dazu erlernten die beiden Jungforscher Simon König (18 Jahre) und Phillip Koschwitz (18 Jahre) die Kunst des Bierbrauens. „Die Aufgabe des Nachgusses ist es, mit Wasser möglichst viel Restzucker aus dem zuvor für den Brauprozess verwendeten Malz, dem sogenannten Treber, zu spülen, um ihn für den weiteren Brauprozess nutzbar zu machen. Bei der Gärung wird dieser Zucker dann von der Hefe in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt, daher ist dieser Arbeitsschritt im Brauprozess so wichtig“, beschreibt Simon das Projekt. „Um unsere Forschungsfrage zu beantworten, legten wir vier gleiche Proben an, wobei wir lediglich die Nachgusstemperatur veränderten. Mit diesen Proben führten wir verschiedene Tests hinsichtlich Zucker- und Alkoholgehalt sowie geschmacklicher Unterschiede durch.“
Die Teilnehmer des Seminarfachs übernahmen die Aufgabe, die unterschiedlichen Proben geschmacklich zu untersuchen – so schön kann Naturwissenschaft sein!
Sonja Schwarze



